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Wie funktioniert die Blutgerinnung?

Eine Schürfwunde, ein kleiner Schnitt oder auch eine größere Verletzung: Dank der Blutgerinnung
(Koagulation) wird eine Wunde bei Ihnen schnell mit einem Blutgerinnsel verschlossen und Sie verbluten nicht.

Die Blutgerinnung ist ein hochkomplexer Vorgang, bei dem verschiedene Faktoren nach einem genau festgelegten Ablauf zusammenarbeiten. Beteiligt sind neben den Blutplättchen vor allem spezielle Eiweißstoffe, die sogenannten Gerinnungsfaktoren. Die Bildung der Gerinnungsfaktoren in der Leber ist abhängig vom Vorliegen des sogenannten Vitamin K. Dieses wird besonders über die Ernährung mit grünem Gemüse aufgenommen.

Wann muss die Blutgerinnung gehemmt werden?

Bei verschiedenen Situationen kann sich auch ohne äußere Verletzung ein Blutgerinnsel bilden, das dann ein Blutgefäß verstopft und somit gefährlich werden kann. Das ist auch beim Vorhofflimmern der Fall. Um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern, müssen die meisten Patienten mit Vorhofflimmern Medikamente (Gerinnungshemmer) einnehmen. Diese Art von Medikamenten werden medizinisch Antikoagulanzien genannt und beeinflussen jeweils bestimmte Faktoren im Blutgerinnungssystem. 

Übrigens: Vielleicht haben Sie auch schon einmal den Begriff „Blutverdünner” gehört. Das ist genau genommen nicht die richtige Bezeichnung für Gerinnungshemmer, denn das Blut wird nicht tatsächlich verdünnt, sondern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wird herabgesetzt, um die Bildung von Gerinnseln insbesondere im linken Vorhof, aber auch an anderen Stellen des Blutgefäßsystems zu verringern. 

Welche Gerinnungshemmer werden bei Vorhofflimmern eingesetzt?

Bei Patienten mit Vorhofflimmern werden zur Vorbeugung des Schlaganfalls allgemein Gerinnungshemmer in Form von Tabletten verwendet. Man nennt sie daher auch „orale Antikoagulanzien”. Heute stehen dafür zwei Gruppen von Medikamenten zur Verfügung: Vitamin-K-Hemmstoffe und direkte orale Antikoagulanzien.

Die Vitamin-K-Hemmstoffe (Cumarine).
Diese werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt und hemmen die Wirkung von Vitamin K in der Leber, in der verschiedene Gerinnungsfaktoren Vitamin-K-abhängig hergestellt werden.

Die direkten oralen Antikoagulanzien.
Im Gegensatz zu den Vitamin-K-Hemmstoffen, die an verschiedenen Faktoren der Blutgerinnung ansetzen, hemmen diese neuen Medikamente jeweils einen einzelnen Gerinnungsfaktor direkt. Die direkten oralen Antikoagulanzien können bei Vorhofflimmern eingesetzt werden, das nicht durch eine Herzklappenerkrankung ausgelöst wird (nicht-valvuläres Vorhofflimmern). Andere Ursachen hat hingegen das Vorhofflimmern, das durch eine Herzklappenerkrankung ausgelöst wird (valvuläres Vorhofflimmern). Diese Patienten erhalten in der Regel einen Vitamin-K-Hemmstoff zur Schlaganfallprophylaxe.

Lange Zeit wurde auch Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) zur Schlaganfallvorbeugung gegeben, insbesondere bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko sowie bei Patienten mit niedrigem Schlaganfallrisiko. ASS bietet bei Vorhofflimmern jedoch keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfall und ist deshalb nur noch in Ausnahmefällen zur Schlaganfallvorsorge vorgesehen.1

Bei der Auswahl der Therapie wird Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen besprechen, welches Medikament für Sie geeignet ist. 

Gibt es Nebenwirkungen, die zu beachten sind?

Gerinnungshemmer schalten die Gerinnungsfähigkeit des Blutes nicht vollständig aus. Denn schließlich ist es wichtig, dass eine Blutung gestillt wird, wenn Sie sich verletzen. Es dauert jedoch deutlich länger bis Ihr Körper eine Blutung stoppt, wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Daher gehören Blutungen zu den möglichen Nebenwirkungen dieser Medikamente. Allerdings überwiegt bei Betrachtung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses die Verhinderung von Schlaganfällen bei Weitem das Blutungsrisiko. Bei der Auswahl der für Sie geeigneten Therapie wird Ihr Arzt daher darauf achten, welches Medikament das für Sie günstigste Verhältnis von Nutzen und Risiko bietet.

Quellen:

  1. Kirchhof P et al. Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS (ESC). Eur Heart J 2016; 37(38):2893-2962.
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