Vorhofflimmern – Risikofaktor für einen Schlaganfall

Hintergrundinformation

01.07.2016

Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu knapp 200.000 neuen Schlaganfällen und zu ca. 66.000 wiederholten Schlaganfällen.1Ungefähr jeder Fünfte davon ist auf Vorhofflimmern zurückzuführen.2 Fast zwei Millionen Menschen allein in Deutschland leiden unter dieser häufigsten Form einer Herzrhythmuserkrankung.3 Bei Vorhofflimmern ist der natürliche Takt des Herzens gestört. Die Vorhöfe des Herzens ziehen sich nicht mehr rhythmisch zusammen, sondern schlagen chaotisch. In dieser Situation können sich im linken Vorhof Blutgerinnsel bilden. Werden diese mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt und verschließen dort eine Arterie, kommt es zu einem Schlaganfall.

Trotz dieser Gefahr ist Vorhofflimmern als Schlaganfall-Risikofaktor in der Öffentlichkeit nicht präsent. Oft wird die Herzrhythmuserkrankung nur zufällig erkannt.4 Viele Patienten und Patientinnen mit Vorhofflimmern kennen ihr persönliches Schlaganfallrisiko bzw. mögliche Maßnahmen zur Vorbeugung nicht. Mithilfe einiger Leitfragen können Menschen, bei denen Vorhofflimmern diagnostiziert wurde, jene Hinweise herausfinden, von denen der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin Kenntnis haben sollte, um das Schlaganfallrisiko einschätzen und geeignete Vorsorgemaßnahmen einleiten zu können.

Das menschliche Herz schlägt im Laufe eines Lebens rund 2,5 Milliarden Mal und pumpt dabei etwa 250 Millionen Liter Blut.5 Es leistet Schwerstarbeit, um den Blutkreislauf anzutreiben. Das Herz besteht aus zwei im gleichen Takt schlagenden Herzhälften, deren Millionen kleine Herzmuskelzellen, gesteuert vom Sinusknoten, für einen regelmäßigen Rhythmus sorgen.

Beim Vorhofflimmern ist nicht mehr der Sinusknoten der Schrittmacher. Kleine elektrische „Störenfriede“ übernehmen das Kommando. Sie liegen häufig am Übergang zu den Lungenvenen und sorgen für ein elektrisches Chaos. Damit ziehen sich die Vorhöfe nicht mehr rhythmisch zusammen, sondern schlagen chaotisch, bis zu 600-mal in der Minute – sie „flimmern“. Mechanisch gesehen stehen die Vorhöfe somit praktisch still, das Blut wird nun nicht mehr vollständig aus den Vorhöfen in die Kammern gepumpt. Und Blut, das nicht mehr richtig fließen kann, gerinnt.

Die Folgen:

  • Aufgrund des gestörten Blutflusses kann es zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) im Vorhof kommen.
  • Losgeschwemmte Gerinnsel können mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort zu einem Schlaganfall führen.

Im linken Vorhof ist die Bildung von Gerinnseln in Bezug auf die Entstehung eines Schlaganfalls besonders gefährlich: Sie wandern vom linken Vorhof in die linke Kammer und werden von dort über die Hauptschlagader und Halsschlagadern ins Gehirn geschwemmt. Im Gehirn können die Gerinnsel Blutgefäße verschließen und einen Schlaganfall verursachen.

Unterschiedliche Anzeichen für Vorhofflimmern

Manche Patienten können Vorhofflimmern als unangenehmes Herzklopfen, Herzrasen und Schwindel wahrnehmen. Aber bei vielen Menschen tritt die Rhythmusstörung ganz ohne Beschwerden auf. Dieses sogenannte asymptomatische Vorhofflimmern birgt die Gefahr, zunächst unerkannt zu bleiben. Notwendige Therapiemaßnahmen können daher nicht rechtzeitig eingeleitet werden.3

Anhand der Dauer unterscheidet man verschiedene Typen des Vorhofflimmerns:

  • Es tritt von Zeit zu Zeit auf und hört von selbst wieder auf (paroxysmales Vorhofflimmern).
  • Es besteht länger als sieben Tage und hört nicht von selbst auf, kann aber mittels einer spezifischen Therapie beendet werden (persistierendes Vorhofflimmern).
  • Es besteht dauerhaft, nämlich länger als ein Jahr (permanentes Vorhofflimmern).

Die wichtigste Untersuchungsmethode zur Diagnose des Vorhofflimmerns ist das Elektrokardiogramm (EKG). Wenn die Diagnose Vorhofflimmern feststeht, stellt sich die Frage, ob möglicherweise Erkrankungen vorliegen, die die Rhythmusstörung ausgelöst haben könnten. Dazu gehören vor allem Bluthochdruck (Hypertonie), Verengung der Herzkranzgefäße bzw. Mangeldurchblutung der Herzmuskulatur (koronare Herzerkrankung; KHK), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Schilddrüsenüberfunktion, Herzmuskelentzündungen.

Leitfragen geben Hinweis auf das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern

Das Risiko für einen Schlaganfall bei Vorhofflimmern ist ganz unterschiedlich und wird vor allem vom Lebensalter, vom Geschlecht und von Begleiterkrankungen bestimmt. Bei Patienten, die weiblich und über 65 Jahre alt sind und gegebenenfalls eine zusätzliche Herzerkrankung, einen zu hohen Blutdruck, eine Gefäßerkrankung, eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) haben oder einen bereits zurückliegenden Schlaganfall hatten, liegt ein höheres Risiko vor, einen Schlaganfall zu bekommen. Aber auch bereits Vorhofflimmern an sich kann das Risiko eines Schlaganfalls steigern und muss deswegen mit dem Arzt abgeklärt werden.

Ärzte können nach der Diagnose Vorhofflimmern mit Hilfe eines speziellen Punktesystems, dem sogenannten CHA2DS2-VASc-Score, der auch in den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfohlen wird,2 das Schlaganfallrisiko gut abschätzen. Die „Initiative Schlaganfallvorsorge. Bei Vorhofflimmern handeln“ hat auf Grundlage dieses Scores einige Leitfragen für Vorhofflimmern-Patienten entwickelt. Anhand dieser Fragen können Vorhofflimmern-Patienten und -Patientinnen jene Hinweise herausfinden, von denen der behandelnde Arzt Kenntnis haben sollte, um das Schlaganfallrisiko einschätzen und geeignete Vorsorgemaßnahmen einleiten zu können. Die Leitfragen stehen zum Nachlesen auf www.schlaganfall-verhindern.de.

Mit der individuell passenden Vorsorge Schlaganfälle verhindern

Der behandelnde Arzt wird entscheiden, ob bei einem Vorhofflimmern-Patienten mit weiteren Risikofaktoren eine medizinische Behandlung notwendig ist, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Er wird verschiedene Untersuchungen durchführen und mit dem Patienten geeignete Therapiemöglichkeiten besprechen. Dank moderner Therapien ist die Lebensqualität von Menschen mit Vorhofflimmern kaum eingeschränkt. Je nach Diagnose kann die Behandlung mit bestimmten Medikamenten (z.B. Antiarrhythmika) oder der Einsatz eines Defibrillators (elektrische Kardioversion) dem Herzen helfen, wieder im normalen Takt zu schlagen.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch durch eine punktuelle Gewebevernarbung die Weiterleitung der falschen elektrischen Impulse unterbrochen werden (Katheterablation). Zusätzlich müssen Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder andere Herzerkrankungen behandelt werden. Die Betreuung durch den Facharzt für Herzerkrankungen, den Kardiologen, oder einen entsprechend spezialisierten Hausarzt ist dabei sehr wichtig.

Um zu verhindern, dass sich bei Vorhofflimmern Blutgerinnsel bilden, ist die Gabe gerinnungshemmender Medikamente ein wesentlicher Grundpfeiler der Behandlung. Damit kann das Schlaganfallrisiko ganz erheblich gesenkt werden. Bei Patienten und Patientinnen mit Vorhofflimmern werden zur Vorbeugung des Schlaganfalls allgemein Gerinnungshemmer in Form von Tabletten verwendet. Heute stehen dafür zwei Gruppen von Medikamenten zur Verfügung: Vitamin-K-Hemmstoffe und direkte orale Antikoagulanzien.2 Im Einzelfall entscheidet der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin, welches Medikament am besten für den Patienten geeignet ist.

Mitarbeit des Patienten bedeutend für wirksame Schlaganfallvorsorge

Ganz wichtig bei der Behandlung mit Gerinnungshemmern ist die regelmäßige Einnahme der Tabletten, also die Therapietreue des Patienten/der Patientin. Dazu gehört auch, die Medikamente nicht eigenmächtig abzusetzen oder die Dosis zu verändern.

Neben einer medikamentösen Therapie kann auch ein entsprechender Lebensstil bei Vorhofflimmern die Schlaganfallprävention positiv beeinflussen. Dies betrifft eine ausgewogene, „herzgesunde“ Ernährung und ein gesundes Maß an körperlicher Bewegung. Außerdem sollen Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sowie Stress und Schlafmangel vermieden werden.

Weitere Informationen zum Thema Vorhofflimmern und Schlaganfallvorsorge, die Leitfragen sowie alle Patientenmaterialien stehen unter www.schlaganfall-verhindern.de zur Verfügung.

Kontakt und weitere Informationen:

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Mario Leisle
Pressestelle
Schulstr. 22
33330 Gütersloh
Tel: 05241/97 70 -12
Fax: 05241/97 70 -712
E-Mail: presse(at)schlaganfall-hilfe.de

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)

Ursula Lenz
Pressereferat
Bonngasse 10 
53111 Bonn 
Tel: 0228/24 99 93-18
Fax: 0228/24 99 93-20
E-Mail: lenz(at)bagso.de

Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

Eszter Viragh 
Public Affairs 
Arnulfstraße 29
80636 München 
Tel: 089/1 214 2-70 36
Fax: 089/1 21 42-262
E-Mail: [email protected]

Pfizer Deutschland GmbH

Thanh-Van Loke
Unternehmenskommunikation 
Linkstraße 10
10785 Berlin 
Tel: 030/55 00 55-529 53  
E-Mail: presse(at)pfizer.com

Quellen:

  1. Heuschmann PU et al. Schlaganfallhäufigkeit und Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland. Frequency and care of stroke in Germany. Akt Neurol 2010; 37:333340.
  2. Camm AJ et al. Guidelines for the management of atrial fibrillation: the Task Force for the Management of Atrial Fibrillation of the European Society of Cardiology (ESC). Europace 2010; 12:1360-1420.
  3. Patienteninformation “Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern”. Herausgeber Kompetenznetz Vorhofflimmern. Aktualisierte Neuauflage. Stand Februar 2013.
  4. Aliot E et al. An international survey of physician and patient understanding, perception, and attitudes to atrial fibrillation and its contribution to cardiovascular disease morbidity and mortality. Eurospace 2010; 12:626-633.
  5. The Atlas of Heart Disease and Stroke. Publications of the World Health Organisation, 2004;(online) URL: www.who.int/cardiovascular_diseases/resources/atlas/en/ (Stand: 18.05.2016). 
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