Auf einen Blick: Daten und Fakten zur Schlaganfallvorsorge bei Vorhofflimmern

Factsheet

01.07.2016

Wie viele Menschen erleiden in Deutschland einen Schlaganfall?

In Deutschland kommt es jedes Jahr zu knapp 200.000 neuen Schlaganfällen und ca. 66.000 wiederholten Schlaganfällen. Der Schlaganfall ist nach Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.1

Welche Risikofaktoren für einen Schlaganfall gibt es?

Vorhofflimmern ist neben Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht sowie Bewegungsmangel einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Ungefähr jeder fünfte Schlaganfall ist auf Vorhofflimmern zurückzuführen.2

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist die häufigste Form von Herzrhythmus-störungen (Arrhythmien). Bei Vorhofflimmern ist der natürliche Herzrhythmus gestört. Die Vorhöfe des Herzens ziehen sich nicht mehr rhythmisch zusammen, sondern schlagen chaotisch, bis zu 600-mal in der Minute – sie „flimmern“.

Wie häufig kommt Vorhofflimmern vor?

Nach neuesten Berechnungen tritt in Deutschland bei fast 2 Millionen Menschen Vorhofflimmern auf, also bei 2,2 Prozent der Bevölkerung.3

Welche Risiken sind mit Vorhofflimmern verbunden?

Vorhofflimmern ist bei normaler Herzfrequenz nicht lebensbedrohlich, doch die Folgen können es sein. Denn sie können einen Schlaganfall auslösen:

  • Patienten mit Vorhofflimmern haben im Vergleich zur Normalbevölkerung ein fünffach höheres Risiko für das Auftreten eines Schlaganfalls.2
  • 20 Prozent aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen2, das sind über 50.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland.1
  • 20 Prozent aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen2, das sind über 50.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland.1
  • Das bedeutet: Alle zehn Minuten geschieht in Deutschland ein Schlaganfall aufgrund von Vorhofflimmern.
  • Schlaganfälle, die aufgrund von Vorhofflimmern verursacht werden, verlaufen oft besonders schwer und führen öfter zum Tod.4
  • Fast zwei Drittel der Schlaganfall-Patienten erleiden (dauerhafte) Behinderungen und sind auf fremde Hilfe angewiesen.5

Wie entsteht ein Schlaganfall bei Vorhofflimmern?

Durch das elektrische Chaos ziehen sich die Vorhöfe beim Vorhofflimmern nicht mehr vollständig zusammen, sodass das Blut nicht mehr effektiv in die Herzkammern gepumpt wird. Dadurch steht das Blut in den Vorhöfen und es können sich Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, bilden. Im linken Vorhof sind solche Gerinnsel sehr gefährlich: Wenn sich diese im linken Vorhof lösen und über die linke Herzkammer und die Aorta in die Halsschlagadern und von dort ins Gehirn gelangen und ein Blutgefäß verschließen, kommt es zu einem Schlaganfall, auch „Hirninfarkt“ genannt.

Wer ist gefährdet?

Das Risiko für einen Schlaganfall bei Vorhofflimmern ist unterschiedlich hoch und wird vor allem vom Lebensalter, vom Geschlecht und von Begleiterkrankungen bestimmt.

Menschen

  • weiblichen Geschlechts,
  • über 65 Jahre alt,
  • gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Herzerkrankung,
  • mit einem zu hohen Blutdruck,
  • mit einer Gefäßerkrankung,
  • mit einer Zuckerkrankheit oder,
  • einem bereits zurückliegenden Schlaganfall,

können ein höheres Risiko haben, einen Schlaganfall zu bekommen. Aber auch bereits Vorhofflimmern an sich kann das Risiko eines Schlaganfalls steigern und muss daher mit dem Arzt abgeklärt werden.

Mithilfe einiger – im Rahmen wissenschaftlicher Studien ermittelter – Merkmale können Ärzte über ein Punktesystem persönliche Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Patienten abfragen. Daraus wird ein Wert errechnet, anhand dessen das Schlaganfallrisiko eingeordnet werden kann.2

Wie kann Schlaganfällen vorgebeugt werden?

Dank moderner Therapien ist die Lebensqualität von Menschen mit Vorhofflimmern kaum eingeschränkt. Je nach Diagnose stehen für die Behandlung bestimmte Medikamente (zum Beispiel Betablocker) zur Verfügung, die die Herzfrequenz regulieren. Außerdem können medikamentöse Therapien (Antiarrhythmika) oder der Einsatz eines Defibrillators (elektrische Kardioversion) dem Herzen helfen, wieder im normalen Takt zu schlagen.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch durch eine punktuelle Gewebevernarbung die Weiterleitung der falschen elektrischen Impulse unterbrochen und damit der Sinusrhythmus wiederhergestellt werden (Katheterablation).

Zusätzlich müssen Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder andere Herzerkrankungen behandelt werden.

Zugleich ist die Betreuung durch den Facharzt für Herzerkrankungen, den Kardiologen, oder einen entsprechend spezialisierten Hausarzt wichtig.

Um zu verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden, ist die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten ein wesentlicher Grundpfeiler der Behandlung von Patienten oder Patientinnen mit Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren. Damit kann das Schlaganfallrisiko erheblich gesenkt werden. Man unterscheidet dabei

Man unterscheidet dabei

  • die Vorbeugung eines Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmern, die noch keinen Schlaganfall hatten (Primärprävention)
  • von der Vorbeugung eines zweiten Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmern, die schon einmal einen Schlaganfall erlitten haben (Sekundärprävention).

Bei Patienten mit Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren werden zur Vorbeugung des Schlaganfalls allgemein Gerinnungshemmer in Form von Tabletten verwendet. Man nennt sie daher auch „orale Antikoagulanzien“. Heute stehen dafür zwei Gruppen von Medikamenten zur Verfügung: Vitamin-K-Hemmstoffe und direkte orale Antikoagulanzien.

Die Vitamin-K-Hemmstoffe (Cumarine)
Diese werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt und hemmen die Wirkung von Vitamin K in der Leber, in der verschiedene Gerinnungsfaktoren Vitamin-K-abhängig hergestellt werden.

Die direkten oralen Antikoagulanzien
Diese können bei Vorhofflimmern eingesetzt werden, das nicht durch eine Herzklappenerkrankung ausgelöst wird. Anders als die Vitamin-K-Hemmstoffe, die relativ unspezifisch an verschiedenen Stellen der Blutgerinnung ansetzen, hemmen diese neuen Medikamente jeweils einen einzelnen Gerinnungsfaktor direkt.

Lange Zeit wurde auch Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) zur Schlaganfallvorbeugung gegeben, insbesondere bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko sowie bei Patienten mit niedrigem Schlaganfallrisiko. ASS bietet bei Vorhofflimmern jedoch keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfall und ist deshalb nur noch in Ausnahmefällen zur Schlaganfallvorsorge vorgesehen.2

Bei der Auswahl der Therapie wird der Arzt/die Ärztin gemeinsam mit dem Patienten/der Patientin besprechen, welches Medikament geeignet ist.

Wichtig bei der Behandlung mit Gerinnungshemmern ist die regelmäßige Einnahme der Tabletten, also die Therapietreue des Patienten. Es muss gewährleistet sein, dass die Medikamente täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden, damit der Patient/die Patientin wirksam vor einem Schlaganfall geschützt ist. Dazu gehört auch, die Medikamente nicht eigenmächtig abzusetzen oder die Dosis zu verändern.

Neben einer medikamentösen Therapie kann auch ein entsprechender Lebensstil bei Vorhofflimmern die Schlaganfallprävention positiv beeinflussen. Dazu gehört eine ausgewogene, „herzgesunde“ Ernährung und ein gesundes Maß an körperlicher Bewegung. Außerdem sollen Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sowie Stress und Schlafmangel vermieden werden.

Kontakt und weitere Informationen:

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Mario Leisle
Pressestelle
Schulstr. 22
33330 Gütersloh
Tel: 05241/97 70 -12
Fax: 05241/97 70 -712
E-Mail: presse(at)schlaganfall-hilfe.de

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)

Ursula Lenz
Pressereferat
Bonngasse 10 
53111 Bonn 
Tel: 0228/24 99 93-18
Fax: 0228/24 99 93-20
E-Mail: lenz(at)bagso.de
 

Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

Eszter Viragh 
Public Affairs 
Arnulfstraße 29
80636 München 
Tel: 089/1 214 2-70 36
Fax: 089/1 21 42-262
E-Mail: eszter.viragh(at)bms.com
 

Pfizer Deutschland GmbH

Thanh-Van Loke
Unternehmenskommunikation 
Linkstraße 10
10785 Berlin 
Tel: 030/55 00 55-529 53  
E-Mail: presse(at)pfizer.com

Quellen:

  1. Heuschmann PU et al.: Schlaganfallhäufigkeit und Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland. Frequency and care of stroke in Germany. Akt Neurol 2010; 37: 333-340.
  2. Camm AJ et al. Guidelines for the management of atrial fibrillation: the Task Force for the Management of Atrial Fibrillation of the European Society of Cardiology (ESC). Europace 2010; 12:1360-1420.
  3. Patienteninformation „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern“. Herausgeber Kompetenznetz Vorhofflimmern. Aktualisierte Neuauflage, Stand Februar 2013.
  4. Patienteninformation „Vorhofflimmern“. Herausgeber Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Stand Oktober 2012.
  5. Patienteninformation „Rehabilitation – Hilfe nach dem Schlaganfall“. Herausgeber Kompetenznetz Schlaganfall. Stand November 2008.
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